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Konzeptvorlage des Projektes „Zusammen sind wir stärker!“

Antragsteller:
Landesverband „Integrationsnetzwerk Sachsen e. V.“
Dresdener Str. 162
01705 Freital

Ansprechpartnerin:
Tatjana Jurk, Vorstandvorsitzende

Kooperationspartner:
Kulturbüro Sachsen e. V.
Ausländerrat Dresden e. V.

1.1. Antragsteller: Landesverband „Integrationsnetzwerk Sachsen e. V.“

Der Landesverband „Integrationsnetzwerk Sachsen e. V.“ wurde am 24. Februar 2011 auf Basis des Integrationsnetzwerkes Sachsen unter Teilnahme aller interessierten Migrantenorganisationen Sachsens gegründet.

Das Integrationsnetzwerk Sachsen, als Vorgänger des Landesverbandes, ist bereits 4 Jahre alt. Ihm gehörten ca. 16 Vereine aus ganz Sachsen an – von Zittau bis Zwickau. Die Gründung und Entwicklung des Netzwerkes war eine Initiative von Spätaussiedlervereinen aus kleinen Städten mit Ballungsräumen von SpätaussiedlerInnen mit aktiver Unterstützung des Kulturbüros Sachsen e.V. und dem Programm „Weltoffenes Sachsen“. Die Spätaussiedlervereine bilden im Landesverband die größte Gruppe von Beteiligten, das spiegelt die sächsische Situation wider. Das Netzwerk bemüht sich aktiv um die Einbeziehung weiterer Migrantengruppen. Dabei kann auf sehr gute Erfahrungen aus dem EIF-Projekt „Gemeinsam integrieren“ des Vereins „Das Zusammenleben e.V.“ zurückgegriffen werden. Im Rahmen dieses Projektes konnten MultiplikatorInnen anderer Migrantengruppen erreicht werden.

Seit seiner Gründung versuchte das Netzwerk, seinen eigenen Weg bei der Integration der Migranten in Sachsen zu suchen. Dem Netzwerk sind in seiner Arbeit drei Ansätze besonders wichtig.

Erstens, es kümmert sich nicht nur um Hilfe und Selbsthilfe der MigrantInnen, sondern versucht, möglichst viele MigrantInnen und Einheimische in die aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben einzubeziehen, unter dem Motto: Aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben in der Region ist das beste Instrument für eine qualitativ schnelle Integration.

Zweitens bemüht sich das Netzwerk intensiv um die Stärkung der Kompetenz seiner Mitglieder. In den letzten drei Jahren hat es, mit der Unterstützung des Sächsischen Ministeriums für Soziales, 26 Seminare und Zusammentreffen für die MultiplikatorInnen mit breiter Palette von diskutierten Themen organisiert. Im November 2008 gab es ein Diskussionsforum unter dem Namen „Neue Aspekte bei der Integration der MigrantInnen in Sachsen und bei ihrer Mitgestaltung des demokratischen Lebens“, organisiert durch das Netzwerk.

Drittens arbeitet es eng mit einheimischen Organisationen zusammen und bezieht die Einheimischen aktiv in die Netzwerksarbeit ein.

Die Entwicklung des Integrationsnetzwerkes Sachsen hat deutlich gezeigt, dass die Förderung von eigenen Initiativen der MigrantInnen und ihre Einbeziehung zur aktiven Beteiligung am gesellschaftlichen Leben ein dauerhafter Prozess ist und hierfür größere Anstrengungen nötig sind. Ohne Zusammenschluss der MigrantInnen in den Migrantenorganisationen, ihre Ausbildung und Vernetzung, findet keine reale Teilhabe der MigrantInnen am Integrationsprozess statt. Das widerspricht und verhindert nicht die Einbeziehung der MigrantInnen in die Arbeit einheimischer Vereine, verstärkt aber wesentlich die wirkliche Integrationsarbeit vor Ort.

Die im Netzwerk entstandenen Arbeits- und Kommunikationsstrukturen sind eine gute Basis für die nachhaltige Förderung von eigenen Initiativen der MigrantInnen in ganz Sachsen zur Stärkung ihrer Kompetenzen und für die gleichberechtigte Teilhabe Zugewanderter am gesellschaftlichen und politischen Leben. Im Integrationsnetzwerk Sachsen e.V. gibt es umfangreiche Erfahrungen in der Integrationsarbeit, in der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Organisation und Durchführung von interkulturellen Veranstaltungen. Mehrsprachigkeit, Erfahrungen in der Beratungsarbeit und großes ehrenamtliches Engagement zählen zu den weiteren Kompetenzen des Netzwerkes.

Dem Netzwerk fehlen aber überregionale Kontakte mit etablierten Integrationspartnern und Institutionen, eine Zusammenarbeit mit Organisationen aus großen Städten - besonders mit denjenigen, die Ausländer vertreten - und eine feste Verknüpfung mit strategischen Aufgaben der Staatsbehörden usw. Das alles kann nicht ausschließlich durch eigene Kräfte der Mitglieder des Netzwerkes bewältigt werden.

Mit der Gründung des Landesverbandes als juristische Person wurde die materielle, administrative und strukturelle Plattform für die weitere Entwicklung der eigenen Initiativen der MigrantInnen auf der Basis einer engen Zusammenarbeit mit allen potenziellen Partnern in Sachsen geschaffen.

1.2 Kooperationspartner

Kooperationspartner für das Projekt sind das Kulturbüro Sachsen e.V. und der Ausländerrat Dresden e.V.. Das Kulturbüro Sachsen e.V. verfügt über langjährige Erfahrungen in der Demokratieentwicklung und begleitet das Integrationsnetzwerk seit seiner Gründung. Der Ausländerrat Dresden e.V. hat Erfahrungen in der Arbeit mit sehr unterschiedlichen MigrantInnengruppen, kennt Bedarf und mögliche Zugänge. Mit beiden Partnern werden Kooperationsverträge eingegangen.

Im Rahmen des Projektes soll die Arbeit mit anderen bereits vorhandenen Partnern intensiviert werden bzw. neue partnerschaftliche Zusammenarbeit soll entstehen. Insbesondere sind hier der Sächsische Ausländerbeauftragte und die Ausländer- bzw. Integrationsbeauftragten der Städte und Landkreise, lokale und regionale Netzwerke zu den Themen Migration/Integration, Wohlfahrtsverbände und etablierte Integrationsträger und Vereine, das Sächsische Staatsministerium für Soziales und zivilgesellschaftliche Vereine und Netzwerke im Bereich Demokratieentwicklung zu nennen.

2. Situationsbeschreibung im Freistaat Sachsen

Im Freistaat Sachsen, wie auch in den anderen neuen Bundesländern, besteht ein großer Bedarf für die Entwicklung und Unterstützung von Migrantenorganisationen als zuverlässige und ständige Partner beim Integrationsprozess und bei der Gestaltung des friedlichen Zusammenlebens vor Ort und ihrer Vernetzung.

Obwohl die Zahl von MigrantInnen in Sachsen niedrig ist, gibt es nach wie vor Probleme bei der Integration, welche sich am meisten in den großen Städten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz aber auch in Ballungsräumen von MigrantInnen (den Städten Bautzen, Freital, Freiberg, Löbau, Görlitz, Weißwasser, Zittau usw.) konzentrieren.

Es besteht ein großer Bedarf zur Verbesserung der Integrationsarbeit seitens der Migrantenorganisationen. Dieser Bedarf ergibt sich durch die:

  • mangelnde Zusammenarbeit unter den Migrantenorganisationen
  • unzureichende Professionalisierung der Arbeit in den Migrantenvereinen
  • mangelndes Fachwissen und fehlende Kompetenz unter den Multiplikatoren in Migrantenorganisationen
  • unzureichende Kenntnisse des politischen Systems der Bundesrepublik mit zum Teil mangelndem Vertrauen in staatliche Institutionen
  • Situationswechsel bezüglich der MigrantInnengruppen (Wegzug von MigrantInnengruppen, Zuzug neuer MigrantInnengruppen, neue Problemlagen entstehen)
  • fehlende Strategie im Umgang mit der veränderten Situation
  • unzureichende Anerkennung von MigrantInnenorganisationen durch Teile der Öffentlichkeit (politische Parteien, Verwaltung, einheimische Vereine) basierend auf fehlendem Wissen oder mangelnder Toleranz
  • keine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen/politischen Leben
  • fehlendes Wissen/Verständnis bei einheimischen Vereinen
  • oft unzureichender Respekt und Toleranz gegenüber MigrantInnen
  • mangelnde Gleichberechtigung zu alteingesessenen Integrationsträgern usw.

Die kurze Zuwanderungsgeschichte Ostdeutschlands verbunden mit geringen Erfahrungen der ostdeutschen Bevölkerung im Umgang mit MigrantInnen hat eine ausgeprägte Zurückhaltung von Alteingesessenen bis hin zu Fremdenfeindlichkeit zur Folge. Dies, sowie eine hohe Arbeitslosigkeit, Vorurteile und Missverständnisse erweisen sich als Hindernisse für eine erfolgreiche Integration der MigrantInnen in Sachsen. Die Probleme der Integration in Sachsen sind nicht von den Aktivitäten für die Stärkung von Demokratie und Toleranz zu trennen.

Es ist zu bemerken, dass es in Sachsen noch kein bewilligtes Integrationskonzept gibt, obwohl in den Jahren 2009 und 2010 ein s. g. Sächsisches Förderungs- und Integrationskonzept (SFIK) intensiv diskutiert und erarbeitet wurde. Das Integrationsnetzwerk Sachsen, als Vertreter der Migrantenvereine, hat sich an diesen Diskussionen beteiligt und konkrete Vorschläge für die Realisierung des Integrationskonzeptes seitens der Migrantenorganisationen erörtert, u. a. durch die Gründung und Entwicklung des Landesverbandes „Integrationsnetzwerk Sachsen e.V.“.

Das alles erfordert, sowohl von den etablierten Integrationsträgern, als auch von den MigrantInnen selbst, neue Überlegungen bei der Realisierung von Integrationsplänen und die Anpassung der Aktivitäten zu den spezifischen Problemen in der jeweiligen Region. Dabei spielt die weitere Entwicklung der Initiativen der Migrantinnen auf der Basis der engen Zusammenarbeit mit etablierten Integrationsträgern und allen anderen Partnern eine bedeutende Rolle.

3. Zielregionen

Die Durchführung des Projektes ist für den gesamten Freistaat Sachsen geplant. Migrantenorganisationen der Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz werden genauso angesprochen und berücksichtigt wie Organisationen aus kleinen Städten des Freistaates mit Ballungsräumen von MigrantInnen.

Die geplante Projektstelle ist der Verein „Das Zusammenleben e. V.“ in Freital, wo sich der Sitz des Landesverbandes „Integrationsnetzwerk Sachsen e.V.“ befindet. Im Verein sind materielle Ressourcen vorhanden, die für das Projekt genutzt werden können.

4. Zielgruppen

Das Projekt wendet sich an Interessenvertretungen von MigrantInnen in Sachsen – das können sowohl Migrantenvereine und –beiräte aber auch Initiativen, die keine juristische Person sind, sein sowie an etablierte Integrationsträger und einheimische Vereine und damit vorrangig an MultiplikatorInnen.

5. Ziele des Projektvorhabens

Das langfristige Ziel des Projektes besteht darin, den neu gegründeten Landesverband „Integrationsnetzwerk Sachsen e. V.“ als effektives und arbeitsfähiges Instrument für die Förderung der Integration der MigrantInnen in Sachsen durch Stärkung, Aufbau – wo notwendig - und Vernetzung von Migrantenorganisationen bzw. –beiräten zu entwickeln und zu etablieren.

Mittelfristige Ziele:
  1. Förderung von gleichberechtigter Teilhabe der MigrantInnen am gesellschaftlichen und politischen Leben
  2. Verbesserung der Aufklärungs- und der Öffentlichkeitsarbeit
  3. Stärkung der Migrantenorganisationen und –beiräte vor Ort, Bildung neuer Migrantenbeiräte, Verbesserung der Vertretung von MigrantInnen vor Ort
  4. Stärkung der Kompetenzen der MultiplikatorInnen in der Integrationsarbeit
  5. Abbau von Vorurteilen zwischen den verschiedenen Migrantengruppen und Einheimischen.

Zum Ziel 1: Förderung von gleichberechtigter Teilhabe der MigrantInnen am gesellschaftlichen Leben

  • Knüpfen und Pflege von Kontakten mit kommunalen Netzwerken, Behörden, demokratischen Parteien usw.
  • Initiierung und Begleitung von landesweiten Integrationsprojekten im Rahmen der Realisierung des Integrationskonzeptes
  • Vertretung der Interessen von Mitgliedern des Landesverbandes (d. h. selbst der Migranten) in allen Gremien, die für die Fortsetzung, Evaluierung, Analyse, Monitoring usw. des Integrationsprozesses in Sachsen zuständig sind
  • Nutzung von Ressourcen und Erfahrungen von etablierten Demokratieträgern für die Förderung des aktiven Engagements der Migrantenorganisationen am gesellschaftlichen Leben bis hin zur Organisation von Ausstellungen und Foren

Zum Ziel 2: Verbesserung der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit

  • Initiierung von politischen Diskussionen, Zusammentreffen, Foren usw. zum Thema Integration
  • Aufbau und Pflege einer Plattform für den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen allen interessierten Integrationsträgern, Organisationen und Personen (z. B. als Mitteilungen oder Newsletter)

Zum Ziel 3: Stärkung der Migrantenorganisationen und –beiräte vor Ort, Bildung neuer Migrantenbeiräte, Verbesserung der Vertretung von MigrantInnen vor Ort

  • Praktische und konkrete Hilfe vor Ort bei der Gestaltung der Arbeit auf der Basis eines schnellen und umfassenden Austausches guter Erfahrungen (best practise)
  • Unterstützung bei der Schaffung neuer Strukturen, z. B. der Migrantenorganisationen
  • Hilfe beim Aufbau von Kontakten mit kommunalen Politikern und Integrationsträgern vor Ort

Zum Ziel 4: Stärkung der Kompetenz der MultiplikatorInnen

  • Durchführung von Seminaren für MultiplikatorInnen die an deren Bedürfnissen orientiert sind

Zum Ziel 5: Abbau von Vorurteilen zwischen den unterschiedlichen Migrantengruppen

  • Analyse der Situation (Auftakttagung)
  • Initiierung von Diskussionen und Zusammentreffen von unterschiedlichen Migrantengruppen

Kurzfristige Ziele:

  • Kennenlernen der in Sachsen tätigen Migrantenorganisationen
  • Ermittlung der Bedarfe der Migrantenorganisationen

Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit

  • Veröffentlichung der Aktivitäten und Ergebnisse im Laufe des Projektes im Internetportal
  • Veröffentlichung der Ergebnisse in der örtlichen Presse

Die Umsetzung der Ziele erfolgt durch

  • Entwicklung eines Fragebogens zum Erfassen der aktuellen Situation (Bedarfe, Zuständigkeiten usw.)
  • Regelmäßige Treffen und Workshops für MultiplikatorInnen aus Migrantenvereinen und –beiräten, diese sollen mit einem eigens dafür erarbeiteten Evaluationsbogen regelmäßig ausgewertet und entsprechend den formulierten Bedarfen und Kritiken qualifiziert werden
  • Informations- und Erfahrungsaustausch
  • Nutzen der Erfahrungen aus durchgeführten Projekten bzw. Anknüpfen an bestehende Projekte (z.B. zum djo-Projekt „Integration ohne Gewalt“; „Diversity city“ cjd)
  • Durchführung einer Auftakttagung zur Analyse der Ausgangssituation (Analysephase) Ableitung weiterer Arbeitsschritte auf Basis der Tagungsergebnisse
  • Durchführung einer Tagung zum Projektende (Darstellung der Entwicklung)
  • Öffentlichkeitsarbeit (Internetpräsenz, Presse, Tagungsdokumentationen)